Von einer Tuchfabrik über ein „verwunschenes Märchenschloss“ zum Museum

Da Familie Müller ihre Fabrik nach Ende des 19. Jahrhunderts nicht weiter modernisierte, kann man heute den Zustand um 1900 sehen. Weil alle Möbel, Maschinen und Räume noch so gut erhalten sind, eignete sie sich sehr gut für die Umrüstung zu einem Museum.Zu Beginn der Führung wurde der „Krempel Wolf“ vorgestellt, der schon 1898 aufgestellt wurde und heute immer noch zur Vorführung läuft. Beim „Wolfen“ wird die Wolle gemischt und auseinander gezogen. Besonders ungesund muss wohl das Färben im darauf folgenden Raum gewesen sein, denn beim Färben, vor oder nach dem Wolfen oder nach der Fertigung des Tuches, wurden giftige Chemikalien verwendet, wobei giftige Dämpfe ihre Spuren hinterließen. Nicht nur die Lungen der Arbeiter sondern auch die Wände litten darunter, so dass man heute noch die Löcher in den Wänden sehen kann. Dazu kommt, dass die Färbemittel nach dem Gebrauch in den Erftmühlenbach geleitet wurden, was natürlich auch der Umwelt schadete. Bei anderen Fabriken war es nicht anders und erst in den 70er Jahren wurden Kläranlagen eingeführt.Im nächsten Raum konnten wir die Walk- und Waschmaschinen betrachten. Beim Walken wurde der Stoff verfilzt. In der Mitte des Raumes steht ein kleines Modell, das zeigt, wie der ganze Betrieb nur über Dampfkraft (einem Räder-Riemen-Wellen-System) angetrieben wurde. Die komplette Fabrik war somit nicht elektrifiziert, nur für das Licht wurde Strom über einen Generator erzeugt – für unsere heutigen Verhältnisse im Zeitalter der Computer eigentlich vollkommen unvorstellbar. Der anschließende Raum zeigt den Schritt nach dem anfänglichen Wolfen der Wolle. Hier wurde die Wolle nach dem Krempeln gekämmt und zu einem langen Vlies zusammengelegt. Anschließend wurden daraus lange schmale Streifen geschnitten, das so genannte Vorgarn. Dieses Vorgarn konnte dann zu festem Garn gesponnen werden – wie im nächsten Raum zu sehen ist. Betritt man diesen, ist man zunächst geblendet, denn im Gegensatz zum restlichen ziemlich düsteren Gebäude steht man nun in einer Licht durchfluteten Industriehalle, in der große Spinnmaschinen zu sehen sind. Hier arbeiteten größtenteils Frauen, deren Aufgabe es vor allem war, die Fäden, die gerissen waren, bei laufenden Maschinen wieder zusammenzufügen – auch keine ungefährliche Arbeit.Wir wurden eine Etage höher zu den Webstühlen geführt. Natürlich wurden auch diese noch betrieben, jedoch nicht nur für Vorführungen des Museums, sondern auch um Stoffe für heutige Kleidung herzustellen. Diese werden in einem Geschäft in Euskirchen und im Museum selbst verkauft. In der Weberei befanden sich 16 Webstühle, heute wird noch auf 4 von ihnen gewebt.Sobald ein Webstuhl zur Vorführung angeschaltet wurde, wurde es sehr laut und man sah durch die Fäden einen Schützen (ein Webschiffchen) schießen. Bis zu 80mal in der Minute konnte er von einem bis zum anderen Ende geschossen werden. Die Fäden durch die er schoss, wurden mit Hilfe einer „Lütze“ rauf und runter bewegt. Dank der rasanten Arbeit des Webstuhls wurden extrem schnell Stoffe gewebt. Je mehr ein Weber webte, desto mehr Lohn bekam er, denn an den Webstühlen waren Zähler angebracht, die jeden Schuss des Schützen zählten. Pro 1000 Schuss gab es einen bestimmten Lohnbetrag. Durch die hohe Geschwindigkeit des Schützen konnte eine Person höchstens an 2 Webstühlen gleichzeitig arbeiten. Dagegen ist in den heutigen Fabriken alles vollautomatisch und nur zur Abnahme des Stoffes werden Arbeiter benötigt. Um an dem fabrizierten Stoff Fehler wie z.B. Knoten zu finden, kontrollierten Frauen die Stoffe. Dies machten sie indem sie den Stoff an die Wand hingen und Faser für Faser begutachteten. Es war eine sehr anstrengende Aufgabe. Heute wird dieser Arbeitsteil nur noch in Fabriken mit hoher Qualität durchgeführt. 1903 schaffte sich die Fabrik eine Dampfmaschine an, die jeden Werktag lief, weil die Geräte und ihre Geschwindigkeit von ihr abhängig waren. In ihrem großen Ofen verschlang sie jeden Tag ca. 2 Tonnen Kohle und konnte bei richtiger Bedienung auf 80 PS kommen. Ein einziger Arbeiter sorgte dafür, dass die Dampfmaschine unbeschwert lief. Er war dabei für den Ofen, die Dampfmaschine und die Wasserwalze zuständig! Eine Arbeit die heute wohl kaum jemand leisten würde. Im Museum wird jeden 2. Samstag im Monat die Dampfmaschine angeschaltet um auf die Arbeit wie sie früher war aufmerksam zu machen. Da die Fabrik im Krieg nicht zerstört worden ist, wurde sie nicht Modernisiert. Für uns ist das sicherlich von Vorteil, da wir dadurch die Möglichkeit haben uns ein Bild von den Zuständen vor der Modernisierung zu machen. Für die Tuchfabrik Müller war es sicherlich von Nachteil, da ihre Konkurrenz viel stärker war als sie selbst. Trotzdem hat sie sich bis zum Ende der Tuchfabriken rund um Euskirchen halten können und ist uns im Gegensatz zu vielen anderen Tuchfabriken heute noch als Museum erhalten geblieben. (Melanie Ackermann, Manuela Kiefer, Dorothee Moos; alle Jg. 12)