Was ist Aufklärung?
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- Kategorie: Zeitung Allgemeines
- Geschrieben von Lübke
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Immanuel Kant hatte nämlich die Ansicht, die Menschen müssten aufgeklärt werden. Nicht so, wie ihr das jetzt meint, von wegen des Unterschiedes zwischen Männlein und Weiblein, sondern über sich als denkende und lebende Person, als Individuum. Früher, als Immanuel Kant gelebt hat, dachten die Menschen nämlich, dass man sofort als Bauer, Adeliger oder kirchlicher Mensch geboren würde und es keine Möglichkeit gäbe etwas anderes zu werden. Man war der Auffassung, Gott habe einen in den Beruf geboren, den man dann Zeit seines Lebens hatte. Und alle Menschen habe gehorcht. Kein Mönch ist Bauer geworden, auch wenn er sich noch so gerne um Kühe und Pferde kümmerte, und kein Bauer wurde adelig, weil er das faule, reiche Leben genießen wollte. Es war sogar per Gesetzt verboten aus seiner angeblich von Gott gegebenen Bestimmung zu wechseln! Und da hat Immanuel Kant gesagt: „Moment Leute, traut euch doch mal darüber nachzudenken, was wir hier treiben! Benutzt euren Verstand und stellt mal all die Gesetzte, die da sind, in Frage!“ Er hat das natürlich auf Lateinisch formuliert, weil er so ein kluger Kopf war: „Sapere aude!“ - „Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Man soll mutig sein, und mal ganz vernünftig nachdenken, alles vor dem Hintergrund der Vernunft überdenken, sich also immer fragen: Ist das vernünftig? Ist das richtig so? Vorher hatten die Bauern sich nie überlegt, ob das wirklich so gerecht ist, dass sie die meiste Arbeit haben, während der Adel und die Geistlichen in ihren Schlössern und Kirchen vielerlei Annehmlichkeiten genießen konnten. Und weil die rechtlosen und unterdrückten Bauern dann anfingen, über sich nicht als von Gott bestrafte, sondern als normale, einzigartige Menschen von Wert nachzudenken, bemerkten sie, dass die Adeligen und die Kirchenmänner sie ganz schön dreist ausgenutzt hatten. Und sie merkten auch, dass sie bervormundet worden waren. Das heißt, die Adeligen und Geistlichen haben den Bauern Regeln aufgestellt, die, wenn man sie einmal hinterfragt, völlig schwachsinnig erscheinen, und die die Bauern befolgt haben, bzw befolgen mussten. Die Adeligen und Geistlichen waren also die Vormünder der Bauern: Sie haben ihnen ein paar Regeln gesagt, die Bauern haben sie geglaubt und nur in deren Rahmen gedacht. Deshalb meint Kant auch, dass die Bauern nicht frei waren: Sie hatten ihre Gedanken von den Gesetzten der Oberschichten einschränken lassen. Frei ist man nach Kant, wenn man seine Vernunft jederzeit anwenden kann, also alles hinterfragt und auch entsprechend handelt. Er nennt das Mündigkeit. Man ist mündig, wenn man kritisch und selbstständig denkt. Außerdem hat man keinen Vormund, der einem sagt, was man zu tun und denken hat. Im Gegensatz dazu ist jemand unmündig, der stur der allgemeinen Regelung folgt. Heutzutage wird man mündig, wenn man 18 wird, also man für sich selbst alles regeln kann, ohne seinen Vormund, die Eltern. Mündig heißt also so viel wie selbstständig.Diese Selbstständigkeit bzw. Mündigkeit hat hat der Mensch jedoch oft nicht, weil man lieber den bequemsten Weg geht, welcher meistens darin besteht, wie ein Schaf zu tun, was alle tun, einfach dem Hirten, den Regeln, zu folgen, ohne sich einen großen Kopf darum zu machen, ob das auch richtig ist. Also ist man zu faul mündig zu werden. Oder aber man hat Angst, laut zu sagen, dass man einen Fehler in den allgemeinen Gesetzten und Ansichten entdeckt hat. In diesem Fall ist der Mensch zu feige um vernünftig zu handeln. Feigheit und Faulheit sind nach Immanuel Kant die Hindernisse schlechthin, die einen in seiner Vernunft und an deren Ausübung behindern.



