Leselust auch mit Sinclair
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- Kategorie: Zeitung Allgemeines
- Geschrieben von Lübke
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„Ich selbst bin über John Sinclair ans Lesen gekommen“, erzählte Thomas Böhm, der Programmleiter des Kölner Literaturhauses, den Schülern der Jahrgangsstufe 11 des Emil-Fischer-Gymnasiums. Seit vier Jahren kommt Böhm jedes Jahr zur Aktion „Buch für die Stadt“ nach Euskirchen und spricht mit den Schülern über das Buch im Speziellen und Literatur im Allgemeinen. In diesem Jahr las er den Schülern Passagen aus Jürgen Beckers „Schnee in den Ardennen“ vor und erklärte manche Zusammenhänge, die den Schülern vielleicht nicht bewusst waren. Die Veranstaltung diente als Auftakt für die Unterrichtsreihen der Deutschkurse der Jahrgangsstufe 11, in denen die Schüler sich intensiv mit Beckers Roman auseinandersetzen werden. 100 Schüler waren im Stadttheater anwesend und lauschten Böhms Vortrag. Böhm bezog die Schüler in die Diskussion mit ein, fragte sie nach ihren literarischen Vorlieben und diskutierte mit ihnen nicht nur über Beckers Roman, sondern auch über die Bücher, die sie gelesen hatten. Es wurde über Harry Potter und Robinson Crusoe diskutiert, und darüber, ob Bücher Filmen vorzuziehen sind. Dabei schlug Böhm den Bogen immer wieder zurück zu Beckers Roman und dessen tagebuchähnlicher Erzählweise. Anhand von Beispielen versuchte er den Schülern zu erläutern, wie Jürgen Becker das Thema Erinnerungen behandelt und wie er versucht, einzelne Augenblicke des Lebens literarisch festzuhalten. Durch einen Vortrag zur Eröffnungsszene des Romans, die ein Bild des Kriegsfotografen Robert Capa beschreibt, vermittelte Böhm den Schülern einiges an Hintergrundwissen zum Titel des Romans und zu den Erlebnissen Jürgen Beckers mit der Propaganda des Dritten Reiches. Als in der Diskussion die Frage aufkam, ob es Literatur gebe, von der Böhm auf jeden Fall abraten würde, antwortete er: „Eigentlich John Sinclair, denn das ist totaler Trash.“ Aber diese Empfehlung war nur mit einem Augenzwinkern ausgesprochen. Böhm erzählte den Schülern von seinen ersten Leseerfahrungen mit den Groschenheften und dass diese Hefte sein Interesse an Literatur geweckt hatten, trotz des Trash-Faktors. Die Deutschlehrerin Helga Kolter war erfreut über die Beteiligung der Schüler an der Diskussion und hofft, dass die Schüler sich nun mit gewecktem Interesse in die Arbeit mit dem „Buch für die Stadt“ stürzen. Böhm selbst hofft, im nächsten Jahr wieder am Emil-Fischer-Gymnasium über das „Buch für die Stadt“ sprechen zu können. (Text und Bild: Tim Nolden, Kölner Stadt-Anzeiger)



